In Absprache mit den Angehörigen haben wir am 27.05.2027 eine Gedenkstätte für die in Blasheim getötete Radfahrerin errichtet hat.
Am 10.04.2026 fuhr ein Auto auf der Blasheimer Straße. Vermutlich aufgrund der zumindest laut Zeugenaussagen deutlich erhöhten Geschwindigkeit konnte der Fahrer der an der Ecke Kirschenallee in einem Knick verlaufenden Straße nicht mehr folgen und flog rechts aus der Kurve heraus in die Baumreihe. Dabei riss er eine auf dem rechtsseitigen Radweg fahrende 60-jährige Radfahrerin mit, die noch an Ort und Stelle verstarb.
Wir würden es sehr begrüßen, wenn Sie die Errichtung der Gedenkstelle als Anlass nehmen würden, eine Nachberichterstattung vorzunehmen, um die Öffentlichkeit über die genaueren Hintergründe, die seitens der Polizei und der Unfallkommission inzwischen recherchiert worden sein dürften, zu informieren.
Seit 2019 setzen wir uns in Lübbecke für eine verbesserte Infrastruktur ein, damit aus Gründen der Lebensfreude im städtischen Alltag, der Gesundheit und des Klimaschutzes mehr Menschen das Rad nutzen. Wir setzen uns auch dafür ein, dass es eine fehlerverzeihende Infrastruktur gibt, d.h. die Infrastruktur so angelegt ist, dass Fehler von Beteiligten möglichst nicht gleich zu Kollisionen und damit Verletzungen oder Tötungen führen, sondern abgefangen, in ihren Auswirkungen gemildert werden. In diesem Beispiel aus Blasheim aber war die Infrastruktur nicht das entscheidende Problem, denn es handelt sich um einen baulich getrennten Radweg. In diesem Fall zeigt sich deutlich, dass neben der Infrastruktur auch jeder und jede Einzelne durch ihr Verhalten und ihre körperliche Fitness eine Mitverantwortung für das reibungslose und verletzungsfreie Verkehrsgeschehen hat.
Wir wissen nicht, was die Ursache für die Kollision war oder für die vermutliche Geschwindigkeitsübertretung. Es ist nicht auszuschließen, dass es gesundheitliche Ursachen gab, die zu einer Unfähigkeit zu Bremsen oder zu Reagieren geführt haben. Jeder Fall ist individuell. Aber es gibt auch statistische Eckdaten und laut Jan Nordhoff, einem Polizisten und Autor einer einschlägigen Studie zur Unfallberichterstattung sind ganze 93 % aller sogenannten „Unfälle“ vermeidbar, weil ihnen menschliches Fehlverhalten zugrundeliegt. Ja, Menschen machen Fehler, das wird sich nie ganz vermeiden lassen. Aber oftmals ist fahrlässiges Verhalten mit von der Partie. Es muss unseres Erachtens in diesem Land ein Umdenken stattfinden, dass überhöhte Geschwindigkeit, Alkohol, Drogen, gedankenlose Unaufmerksamkeit und Handygebrauch sowie Kraftprotzerei und toxische Männlichkeit am Steuer keine Kavaliersdelikte sind, sondern fahrlässige potentielle Gewaltanwendung gegenüber Dritten mit möglicherweise tödlichen Folgen.
Diese möglichen Folgen sollten sich alle Verkehrsteilnehmenden des Öfteren vor Augen führen, um sich zu fragen, ob ihr eigenes Verhalten wie Konzentration auf weitere Insassen anstatt auf das Fahren, morgendliche Hektik, weil man wie immer etwas zu spät losfährt und dennoch pünktlich zur Arbeit erscheinen will, Fahrweisen, die mit „Ups, da war ich etwas schnell unterwegs“ begleitet werden. Bei der Zeremonie war auch ein befreundetes Ehepaar der Toten anwesend. Sie berichteten uns erschüttert von ihren Erfahrungen und auch denen von ihnen bekannten Angehörigen und Nachbarn rund um die Kreuzung. Für alle war die Kollision ein einschneidendes Erlebnis.
Laut Jan Nordhoff sind je Verkehrskollision durchschnittlich 114 Personen mit den Folgen befasst. Darunter Einsatzkräfte und medizinisches Personal, die Verletzte und Leichen bergen müssen, Zeug*innen, Angehörige, Freundinnen und Freunde, Arbeitsumfeld u.v.m. 114 Menschen, die einen Verlust oder schwere Verletzungen anderer Menschen, teils nahestehender Menschen, erleben und verarbeiten müssen. Neben körperlichen gehören auch psychische Probleme, nicht nur bei den Opfern, zu den üblichen Folgen. Letztendlich bleiben auch die Verursacher*innen, sofern sie nicht verroht sind, nicht verschont: Einen anderen Menschen schwer verletzt oder gar getötet zu haben belastet oft genug ein Leben lang, vor allem dann, wenn man weiß, dass man fahrlässig gehandelt hat. All dessen sollte man sich bewusst sein, wenn man sich ans Steuer setzt. Leitlinie des Fahrens sollte stets sein, umsichtig, verantwortungsbewusst und fehlerreduzierend zu fahren.
Wir wünschen der Familie, dass sie ihren Verlust mit der Zeit verkraftet und dass die Gedenkstätte eine würdige Erinnerung aber auch Mahnung an alle Verkehrsteilnehmer*innen darstellt.
